S T O P P
Falls Sie ein Mitglied des Rechtsausschusses des
Europäischen Parlaments (JURI) sind, bitten wir Sie
darum sich über etablierte Praktiken zu informieren:
Die Methoden des Europäischen Patentamtes
"[...] [die Ergänzungen des Europäischen
Parlaments spiegeln] nicht die gängige Praxis [wider]
[...]". Wenn Sie die Begründung
des Rates für die Ablehnung der Ergänzungen des
Europäischen Parlaments zur ersten Lesung lesen, sticht
dieses Argument hervor. Der Rat hat recht, denn das
Europäische Parlament entschied sich gegen die Praktiken
des Europäischen Patentamtes, die auf webshop.ffii.org aufgezeigt
werden. Mit dieser Aussage erklärt die interne
Arbeitsgruppe des Rates, die sich mit Patenten beschäftigt,
deutlich mit welchen Zielen im Sinn der derzeitige Ratstext
entworfen worden ist. In der Tat, denn er liest sich fast wie
eine Übersicht der Methoden, mit denen das
Europäische Patentamt Patente erteilt.
Das Europäische Parlament stimmte für einen
bedeutenden Text im September des Jahres 2003. Seit diesem
Zeitpunkt wurde immer wieder gezeigt, dass dies die richtige
Entscheidung war. Der Bericht der US Bundeshandelskommission
bestätigte dies, die Deutsche Bank bestätigte dies,
PricewaterhouseCoopers bestätigte dies. EICTA
versucht vehement dies zu
bestreiten. Je aggressiver sie dabei werden, desto mehr interne
Unterstützung verlieren sie. Die Mitglieder Sun und Cisco
mussten bereits von EICTAs Patent Lobbyismus Seite entfernt
werden. Andere wie Bull, IVSZ (Ungarischer IT Verband) und
LITTA (Lettischer IT Verband) sind bekannte Gegner von
Software Patenten.
Die Methoden des Rats
Unglücklicherweise bilden diese Fakten nicht die Basis
für die aktuellen Diskussionen des Rates. Die aktuellen
Diskussionen des Rates handeln davon, dass im Rat im Mai des
vergangenen Jahres eine politische Übereinkunft getroffen
wurde und dass diese unverändert zu einem gemeinsamen
Standpunkt gemacht werden muss. Der Grund dafür ist einfach:
Diese Arbeitsmethode ist im Rat etabliert und dieser möchte
nicht davon abweichen, genauso wenig wie das Europäische
Patentamt.
Polen enthielt sich im Mai 2004 und der Standpunkt des
Landes wurde am Ende der Ratssitzung nicht erneut erfragt, denn
es gab eine qualifizierte Mehrheit ohne die
Unterstützung Polens. Am 1. November 2004 änderte
sich die Gewichtung der Stimmen und plötzlich zählte
die Unterstützung von Seiten Polens wieder. Es folgte eine
Polnische Tagung mit Großunternehmen (unter anderem
Novell, HP und Microsoft), dem Polnischen Patentamt, dem
Interessenverband der Polnischen Patent-Rechtsanwälte, dem
FFII
und anderen beteiligten
Parteien.
Die Parteien waren sich über zwei Punkte einig: Der
Ratstext erlaube ohne Zweifel Software Patente und dessen
Formulierung sei sehr unklar und schwer zu verstehen.
Uneinigkeit herrschte jedoch bei der Diskussion über die
Wirtschaftlichkeit von Software Patenten in Polen: Microsoft
und der Interessenverband der Polnischen
Patent-Rechtsanwälte behaupteten sie seien förderlich
für Polens Wirtschaft, wohingegen alle anderen Parteien
den entgegengesetzten Standpunkt einnahmen.
Wie hat sich Polen entschieden? Das Land bestätigte, dass
es den Ratstext nicht unterstützt. Seit diesem Zeitpunkt
lastet ständiger diplomatischer Druck auf Polen, mit der
Forderung diesen Standpunkt umzukehren und den Text des Rates
anzunehmen. Weder die Niederländische noch die
Luxemburger Präsidentschaft möchte als Erster eine
erneute Diskussion einer politischen Vereinbarung
zulassen, trotz der guten Gründe, die dafür sprechen.
Eine geeignete Lösung
Eine erneute erste Lesung im Europäischen Parlament
könnte die meisten Probleme, die oben beschrieben wurden,
lösen:
-
Polen muss sich nicht dafür entscheiden ob es offiziell
einem Text zustimmt, den es nicht unterstützt oder
ob es mehr Reibungen in diplomatischen Kreisen
verursacht.
-
Die Ratspräsidentschaft muss sich nicht dafür entscheiden ob
sie eine schädliche und demokratisch rechtswidrige
Vereinbarung erzwingen soll oder ob sie die Diplomaten
verstimmt.
-
Verhandlungen, die bisher von Formalitäten handelten,
könnten in Diskussionen geändert werden, die sich mit
den Gründen der Angelegenheit befassen.
Der letzte Punkt spielt eine wichtige Rolle, denn
Diskussionen über die Gründe der Angelegenheit
gewinnen endlich an Fahrt. Wie in Polen, tagten die Niederlande
auch mit allen beteiligten Parteien. Und ebenso wie in Polen
stimmten am Ende alle zu, dass der Ratstext Software Patente
erlaubt. Die Diskussion entwickelte sich von "Verhindert die
Forderung eines technischen Beitrags reine Software Patente und
Trivialpatente?" zu "Philips möchte die
Funktionalität seiner TV Set Top Boxen patentieren. Diese
sind jedoch nichts als reine PCs in einer netten Verpackung,
also müssen wir Software Patente haben."
Wir brauchen jetzt Zeit, um abzuschätzen ob diese paar
Großunternehmen wirklich solche Software Patente brauchen
und falls dem so ist, ob die positiven Auswirkungen für
die Großunternehmen die negativen Folgen für den
Rest der Europäische Wirtschaft und deren Innovation
aufwiegen.
Mit anderen Worten gesagt, das Europäische Parlament
kann mit der Forderung einer neuen ersten Lesung Polen
unterstützen, die festgefahrenen Verhandlungen im Rat
lösen und Zeit für die dringend benötigte
Diskussion über die Gründe der Angelegenheit machen.
Keine Verhandlungen mehr darüber was "weitere
Technikfolgen" sind, sondern Diskussionen darüber,
wie man einen Text entwerfen kann, der der Europäischen
Wirtschaft, der Wettbewerbsfähigkeit und der Innovation
dient. Europa verdient diese Diskussion, die die USA niemals
hatte. Dank des großartigen Ergebnisses der vorigen
ersten Lesung, hat Europa die Möglichkeit diese Chance zu
nutzen.
Diese Arbeitspraxis muss der Standard des Europäischen
Parlaments sein, von dem es nicht abweichen möchte.
Weitere Informationen finden Sie unter
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